Entschädigung für Altersdiskriminierung bei Stellenausschreibung

Nürnberg (D-AH/kh) – Beim Verfassen von Stellenausschreibungen ist Vorsicht geboten. Wer bestimmte Personen aus unsachlichen Gründen ausschließt, kann sich mit einer Entschädigungsforderung konfrontiert sehen. Auch die gezielte Suche nach Bewerbern, die „gerade frisch gebacken aus einer kaufmännischen Ausbildung“ kommen, ist als Diskriminierung anzusehen, so das Bundesarbeitsgericht (Az. 8 AZR 454/15).

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline (www.deutsche-anwaltshotline.de) berichtet, war der Jobsuchende zum Zeitpunkt der Bewerbung 36 Jahre alt und konnte eine mehr als zehnjährige Berufserfahrung vorweisen. Nachdem er eine Absage erhielt, machte er eine Entschädigungsforderung in Höhe von 2.750 Euro geltend. Er begründete diese mit der Annahme, dass sein Alter ihn gegenüber jüngeren Bewerbern benachteiligt habe. Die Arbeitgeberin argumentierte hingegen, dass der Bewerber für den Posten als „Junior Sachbearbeiter“ aufgrund seiner Berufserfahrung überqualifiziert sei. Dies würde Frustration fördern und die bestehende Unternehmenshierarchie stören.

Das Bundesarbeitsgericht sieht in dem vorliegenden Fall die unmittelbare Benachteiligung einer älteren Person und erklärte die Entschädigungsforderung dementsprechend als begründet. Die gezielte Suche nach jüngeren Arbeitnehmern müsse durch ein rechtmäßiges Ziel sachlich gerechtfertigt werden. „Anders als zu wenig Berufserfahrung stellt zu viel Berufserfahrung keinen triftigen Grund für den Ausschluss von Bewerbern dar“, erklärt Rechtsanwältin Andrea Brümmer (telefonische Rechtsberatung unter 0900/1875000-0 für 1,99 Euro pro Minute). Argumente wie gesteigertes Frustrationspotenzial oder Machtkämpfe beruhen zudem auf reinen Annahmen, so das Gericht.

Auch der Einwand, dass der Bewerber ein überzogenes Gehalt verlangte, wurde abgelehnt. Dies stünde wiederum in Zusammenhang mit seiner Berufserfahrung und sei mittelbar mit seinem fortgeschrittenen Alter verknüpft.